The Infamous... MOBB BEEF

SHINDY`S “FVCKB!TCHE$GETMONE¥” (REVIEW)

SHINDY`S “FVCKB!TCHE$GETMONE¥” Review by Oliver Marquart (Rap.de)

Shindys "FVCKB!TCHE$GETMONE¥" war eines der mit am meisten Spannung erwarteten Alben dieses Jahres – jetzt ist es da, und kurz gesagt, noch besser als sein nach wie vor formidables Debüt. Statt, passend zum gegenwärtig immer mehr um sich greifenden Fitnesstrend, abzuspecken hat Shindy noch mal zugelegt: Egal, ob Beats oder Raps – der schwäbische Grieche agiert auf seinem zweiten Album aus einer Position der gewachsenen Stärke heraus. Eigentlich muss man für ihn eine neue Kategorie im Deutschrap eröffnen: Feinschmeckerrap. Vom Feinschmecker für Feinschmecker. Lecker.

Während andere Rapper auf ihrem zweiten Album an Frische einbüßen, weil sie plötzlich anfangen zu überlegen, wie sie was machen wollen, bleibt Shindy von seinem Anfangserfolg offenbar unbeeindruckt und setzt seine Linie konsequent und ohne sich beirren zu lassen fort. Die Themen bleiben die gleichen, teures Schuhwerk spielt ebenso eine Rolle wie feines Tuch, Frauen mit dicken Hinterbacken und jede Menge exklusive Nahrungs- und Genussmittel natürlich auch – the good life, mit einem Schuss Mafia-Kokettierung, aber gerade soviel, dass es nicht platt kommt.

"Deutsche Mietwagen/ amerikanische Kreditkarten/ italienische Textilwaren" ("Thriller")

Das alles aber im Vergleich zum Debütalbum "NWA" in noch größer, noch überdimensionaler und vor allem: Noch stilsicherer. Die unbeschwerte Leichtigkeit, mit der hier immer wieder Referenzen eingestreut werden, die nicht jedem sofort offensichtlich sind, sucht im Deutschrap tatsächlich ihresgleichen. Nicht nur, was diesen Punkt angeht, spielt Shindy in der Tat eher in einer Liga mit gewissen Rappern von jenseits des großen Teichs.

Überhaupt ist Shindy keiner, der schnelllebigen Trends hinterherhechelt oder auch nur wirkt, als würde er sich anstrengen, um stets am Puls der Entwicklung zu bleiben. Statt gerade angesagten Marken wählt er gern die zeitlose, klassische Variante. Hier wird Maradonna erwähnt und nicht Messi oder Ronaldo, hier vergleicht sich der Protagonist nicht mit dem zwar auch faszinierenden, aber letztlich eben doch bäuerlichen Silvio Berlusconi, sondern mit dem römischen Kaiser Julius Cäsar. Und trotzdem wirkt “FVCKB!TCHE$GETMONE¥” kein bisschen retro oder gar altbacken, sondern voll auf der Höhe der Zeit.

Selbst diesem einen Thema, das im deutschen Rap eigentlich nur auf dem Niveau von schlechtgefilmten Amateurpornos stattfindet, widmet sich Shindy stilvoll und übezeugend. Die Rede ist natürlich von Sex. Schon im rap.de-Special “Bitches & Money” gab Shindy sich in diesem Punkt als Gourmet, nicht als Gourmand (franz. Vielfraß) zu erkennen. Besonders in “Venedig“, aber auch in diversen Zeilen auf Songs wie “Pancakes” oder natürlich “Steve Blowjobs” bekräftigt er das jetzt. Gab es überhaupt schon mal deutschsprachige Rapzeilen übers Ficken, die auch Frauen mit mehr Selbstbewusstsein als das handelsübliche Groupie gefallen könnten? Mir fallen aktuell keine ein.

Sie sagt, echte Frauen machen’s nicht in Nike Air
Und trägt ihren Schmuck, wenn wir ficken – Schweißperlen” (“Venedig“)

Abgerundet wird dieser Ohrenschmaus durch die Beats, die sich natürlich hörbar bei aktuellem Amikram rund um anspruchsvollere Trap-Entwürfe inspirieren haben lassen, aber erstens: Auf welche Beats trifft das nicht zu? Zweitens: Wer setzt das dann auch so stilsicher um? Letztere Frage darf getrost mit “Nicht allzuviele” beantwortet werden. Und drittens: Wer produziert die auch noch größtenteils selbst? Genau, ShindyDjorkaeff und Beatzarre treten hier lediglich als Co-Produzenten in Erscheinung.

Auch Shindys nach wie vor aufreizend lässiger, ja überheblich-gelangweilter Slow-Motion-Flow hat seine Vorbilder natürlich jenseits des Atlantiks.

Was das an seiner Qualität ändert? Nullkommagarnix. “FVCKB!TCHE$GETMONE¥” ist die Luxusvariante von Deutschrap – in so gut wie jeder Hinsicht. Und nach dem Hören fühlt man sich ungefähr so relaxet und ausgeglichen wie nach einem Tag in der Kristalltherme inklusive Hamam- und Saunabereich. Allerhöchstens ein Eko-Feature hätte das Album vielleicht noch um ein paar Milliprozent aufwerten können.