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BURGERAMT ALBUM REVIEW #2 by OLAF KLEIN

Ein Herz für Reviews #2 by Olaf Klein

Frustra – Melancholie EP – Review
Melancholie (griechisch μελαγ-χολία melancholia „Schwarzgalligkeit"; lateinisch melancholia) bezeichnet eine durch Schwermut, Schmerz, Traurigkeit oder Nachdenklichkeit geprägte Gemütsstimmung, die in der Regel auf keinen bestimmten Auslöser oder Anlass zurückgeht. In Bezug auf eine psychische Disposition oder ein Krankheitsbild ist der Begriff Melancholie im 20. Jahrhundert weitgehend durch den Begriff der Depression ersetzt worden. Der Melancholiker stellt eines der vier Temperamente dar. Der Begriff Melancholie wird in Philosophie, Medizin, Psychologie, Theologie und Kunst behandelt. Bedeutungsähnlicher Begriff ist Weltschmerz. (Quelle: Wikipedia)
Wenn man dem 25jährigen Frustra gegenübersteht, sieht man in seinen noch jungen Augen sehr viel von dieser Verzweiflung und Aussichtslosigkeit, die eine ganze Generation im Würgegriff zu haben scheint. Aber er macht nicht den Anschein, als würde er sich mit der Rolle des Verlierers, die dieses Leben für ihn vorgesehen hat, zufrieden geben. In einer Welt, die mit rasender Geschwindigkeit in Richtung Abgrund driftet, versucht er auf dem geraden Weg zu bleiben und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.
In der Türkei geboren, kam er mit seinen Eltern im Alter von 9 Jahren nach Berlin, wo er bereits sehr früh mit den Schattenseiten des Lebens in Berührung kam und lernen musste was es heißt, identitätslos in einem fremden Land aufzuwachsen. Die Tatsache, in der Heimat als der Almanci abgestempelt und in Deutschland als Kanacke oder Schwarzkopf beschimpft zu werden, machte es ihm und seiner Familie nicht leicht. Kein Einzelschicksal, sondern das Los vieler Migranten, als Fremde zwischen 2 Stühlen zu leben.
Rap, insbesondere französischer, war schon in jungen Jahren etwas, wo sich Frustra wiederfand und verstanden fühlte. Er mochte das Gefühl und die düstere Atmosphäre, die Rap aus Frankreich transportierte und so ließ er sich aufgrund seiner miserablen Französischkenntnisse die Lyrics von Freunden übersetzen. Sefyu, Sniper, Medine, Bakar, Soprano, Youssopha oder Mac Tyer sprachen in ihren Songs über Probleme, die für Frustra greifbarer waren als das Bling Bling ihrer amerikanischen Kollegen. Rassismus, das Leben in den Banlieues am Rande der Gesellschaft und der tägliche Überlebenskampf waren die Themen, die ihn interessierten. Zum Deutschrap kam Frustra durch Deichkind, deren Song „Weit weg" inkl. Video auf MTV hoch und runter lief. Seitdem war er von Rap auf Deutsch fasziniert und begann selbst , erste Zeilen zu verfassen. Hört man seine heutige Musik ist es schwer vorstellbar, daß er eigentlich aus dem Battlerap kommt und sich seine ersten Sporen in der RBA verdiente. Und das zu einer Zeit, als Kollegah dort ebenfalls sein „Unwesen" trieb. Frustra, der in einem eher konservativen Elternhaus aufwuchs, konnte sich nie wirklich mit der Attitude des Battlerap identifizieren und so wundert es nicht, daß er beispielsweise Kool Savas liebevoll als Savas Abi bezeichnet, sich aber eher geschämt hat, alte Songs wie „Pimplegionär" oder „LMS" zu pumpen. Erst mit dem Titeltrack seines Debutalbums „Der beste Tag meines Lebens" konnte Savas ihn auch musikalisch „abholen" und Frustra hatte für sich genau die Sparte gefunden, die er und seine Jungs besetzen wollten: der Jugend etwas mit auf den Weg geben , ohne dabei den verpönten Zeigefinger zu erheben.
Nach etlichen Featureparts auf den Releases seiner Trist & Grau Kollegen Credibil und Belabil veröffentlichte Frustra am 14.12.2014 seine Debut- EP „Melancholie" kostenlos und digital auf 16bars.de, die mittlerweile knapp 20000 Menschen erreicht hat. Komplett von Belabil produziert, der musikalisch mit Frustra auf der gleichen Welle reitet, erwarten den Hörer 6 Tracks & 1 Skit (eines der schönsten Filmzitate aus „Die Verurteilten": „Man braucht Musik, um nicht zu vergessen, dass es noch Orte auf der Welt gibt, die nicht aus Stein sind. Dass in deinem Inneren etwas ist, was sie nicht kriegen können. Das dir allein gehört... HOFFNUNG!").
Und genau darum geht es dem jungen Künstler: zwischen all den Kopfkrisen, Social Media Wahnsinn, täglichen Versuchungen und dieser unendlichen inneren Leere einen Funken Hoffnung zu spenden, wobei er nicht die Rolle des Lehrers einnimmt, sondern eher als Beobachter agiert, der das Gesehene aufschreibt und auf Beats legt. Frustra möchte den Leuten als Vorbild dienen und ihnen durch seine Musik einen Ausweg aus der Perspektivlosigkeit zeigen.
Einzelne Tracks hervorzuheben fällt schwer, da die EP in sich sehr stimmig ist und jeder Song seinen Teil zum Gesamtbild beiträgt. Partytracks oder den Pflichtausflug in trappige Gefilde sucht man vergebens. Hier wird durchweg lyrisch anspruchsvolle Kost geboten, die man nicht mal schnell nebenbei hören kann. „Melancholie" ist wie ein guter Wein, der mit jedem Durchhören mehr von Frustra's Liebe zur Musik und seinem Talent, Poesie & Lyrik in Reime zu verpacken, offenbart. Einziger Featurepart kommt von Credibil, der auf „Schwarz" souverän abliefert.
Mein Tipp für die nächsten Hip Hop Awards wäre im Übrigen, eine Kategorie für die „deepest Line" einzuführen. Auf „Melancholie" sind definitiv ein paar Kandidaten für's Treppchen dabei. „Ich bleibe Straße. Und wusste wie man teilt, bevor es Facebook gab..."
Pflichtdownload! Keep ya Ear to the Street!

DOWNLOAD: FRUSTRA - MELANCHOLIE

https://www.youtube.com/watch?list=PLD46A2991C29F6301&feature=player_embedded&v=bRhGI1cFS9E